Wenn Software das Ende ihrer Lebensdauer (End-of-Life) erreicht, auch bekannt als „End-of-Support“, mag es zunächst günstiger erscheinen, das veraltete Produkt weiter zu nutzen. Doch dadurch setzt sich Ihr Unternehmen dem Risiko von Ausfallzeiten, Sicherheitslücken, Compliance-Problemen und hohen Kosten aus. Hier erfahren Sie, wie Sie diese Risiken bewältigen können.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wenn der Support für eine Software ausläuft (EOS) – das heißt, wenn der Hersteller keine Updates und keinen Support mehr anbietet –, sind Unternehmen anfälliger für Sicherheits- und Betriebsrisiken.
- Zu den gängigen Gründen für den Einsatz von EOS-Software zählen die Kompatibilität mit Altsystemen und Kosteneinsparungen; diese Entscheidungen können jedoch zu Compliance-Problemen und Sicherheitslücken führen.
- Zu den Risiken bei der Nutzung von EOS-Software zählen die Gefahr durch Malware, Inkompatibilität mit Anbietern, Datenverlust, längere Ausfallzeiten sowie eine mögliche Gefährdung Ihrer Cybersicherheitsversicherung.
- Unternehmen sollten bewährte Verfahren wie die Planung des Servicemanagements, Risikobewertungen, schrittweise Upgrades und den Einsatz moderner Tools umsetzen.
So wie sich IT-Umgebungen verändern, so verändert sich auch die Software, die sie unterstützt. Irgendwann erreicht jede Anwendung das Ende ihres Entwicklungslebenszyklus. Für IT-Fachleute und Führungskräfte kann das Verständnis dafür, wann Software veraltet ist und wie darauf zu reagieren ist, durch Planung, Vorbereitung, Migration und die Einführung neuer Lösungen den Unterschied zwischen einem sicheren Betrieb und erheblichen Risiken ausmachen.
Was versteht man unter „End-of-Life“ (EOL) und „End-of-Support“ (EOS)?
„End-of-Support“ (EOS) bezeichnet Softwareprodukte, die vom Entwickler oder Anbieter nicht mehr unterstützt werden. EOS ist der korrekte Fachbegriff, während „End-of-Life“ eine gebräuchlichere Bezeichnung ist; im Wesentlichen bedeuten beide jedoch dasselbe. Dies bedeutet, dass es keine Updates, keine neuen Funktionen und vor allem keine Sicherheitspatches mehr gibt. Sobald Software das EOL erreicht, bleibt sie in der Zeit stehen – auch wenn sich Cyberbedrohungen und Compliance-Standards ändern. So endete beispielsweise der Support für Windows XP im Jahr 2014, doch Millionen von Systemen liefen noch jahrelang damit weiter. Trotz Migrationstools, Support-Dokumentation und weit verbreiteter Warnungen zögerten viele Nutzer die Aktualisierung aufgrund von Kosten, Kompatibilitätsproblemen oder Trägheit hinaus.
Warum setzen Unternehmen weiterhin EOS-Software ein?
Es ist verlockend, an alter Software festzuhalten, solange sie noch funktioniert – warum etwas ändern, das noch einwandfrei läuft? Es gibt jedoch praktische Gründe, warum viele Unternehmen weiterhin auf Software zurückgreifen, deren Support bereits ausgelaufen ist.
Abhängigkeiten von Legacy-Anwendungen
Maßgeschneiderte oder branchenspezifische Software läuft ausschließlich auf veralteten Betriebssystemplattformen. Das Neuprogrammieren oder Ersetzen dieser Anwendungen kann zeitaufwendig und kostspielig sein.
Kosten
Die Kosten für Lizenzen, Mitarbeiterschulungen oder Migrationsexperten mögen übertrieben erscheinen – bis ein Systemausfall oder eine Sicherheitslücke diese Kosten plötzlich wie ein Schnäppchen erscheinen lässt.
Bedenken hinsichtlich Betriebsstörungen
Manche Unternehmen zögern mit Updates, weil sie befürchten, dass neue Software wichtige Arbeitsabläufe stören könnte, insbesondere in Branchen wie der Fertigungsindustrie, dem Gesundheitswesen und anderen stark regulierten Bereichen.
Mangelnde Sichtbarkeit
Viele Unternehmen versäumen es, die Zeitpunkte im Software-Lebenszyklus im Blick zu behalten, sodass ältere Tools ungeprüft bleiben, bis sie ausfallen oder zu einem Risiko werden. Auch wenn diese Gründe verständlich sind, ist die weitere Nutzung von Software, deren Lebenszyklus abgelaufen ist, langfristig selten eine kluge Vorgehensweise. Veraltete Systeme sind schwieriger zu warten, verursachen höhere Kosten und sind anfälliger für moderne Cyberbedrohungen. Deshalb ist ein proaktives Lebenszyklusmanagement von entscheidender Bedeutung. Je länger Sie warten, desto komplexer und kostspieliger wird die Modernisierung.
Welche Risiken birgt die Nutzung von Software, deren Support ausgelaufen ist?
Die EOS-Software macht Ihr Unternehmen in vielerlei Hinsicht anfällig. Und zwar aus folgenden Gründen:
Sicherheitsrisiken
Wenn Software keine Updates mehr erhält, ist das so, als würde man die Haustür unverschlossen lassen. Hacker wissen genau, wo sie Schwachstellen in veralteten Systemen finden können, wodurch diese zu leichten Zielen für Malware, Ransomware und Datenlecks werden.
Compliance-Fragen
Wenn Ihr Unternehmen in einer regulierten Branche tätig ist, wie beispielsweise im Gesundheitswesen, im Finanzsektor oder im öffentlichen Dienst, ist die Aktualisierung Ihrer Systeme keine Option, sondern eine Verpflichtung. Der Einsatz von Software, für die kein Support mehr angeboten wird, kann zu nicht bestandenen Audits, hohen Geldstrafen und sogar rechtlichen Problemen führen.
Kompatibilitätsprobleme
Neue Tools und Apps lassen sich oft nicht gut in Altsysteme integrieren. Das kann zu frustrierenden Engpässen, isolierten Daten und einer Flut von Supportanfragen von Nutzern führen, die einfach nur wollen, dass alles funktioniert.
Höhere Kosten und unerwartete Ausfallzeiten
Da ältere Hardware und Software mit der Zeit veralten, wird es immer schwieriger und kostspieliger, Support oder Ersatzteile zu finden. Wenn etwas kaputtgeht, geschieht dies oft ganz plötzlich, und die Ausfallzeiten können teuer werden.
Wann ist es in Ordnung, Software zu verwenden, deren Support ausgelaufen ist?
Es gibt seltene Fälle, in denen der Einsatz von EOS-Software durchaus sinnvoll sein kann, allerdings nur unter strengen Voraussetzungen:
- Das System ist vollständig vom Internet getrennt (Air-Gapped).
- Es gibt keinen brauchbaren Ersatz.
- Es sind strenge Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden (wie Endgeräteschutz und Zugriffskontrollen)
- Es gibt einen klaren Plan, das System bald außer Betrieb zu nehmen
Selbst dann sollte dies die Ausnahme sein, nicht die Regel. Jeder Monat, den Sie mit nicht mehr unterstützter Software verbringen, erhöht Ihr Geschäftsrisiko.
Bewährte Verfahren für die Verwaltung von EOS-Software
Die gute Nachricht? Mit einem strategischen, schrittweisen Ansatz können Sie die Umstellung weg von EOL-Systemen bewältigen. Und so geht’s:
Machen Sie sich einen Überblick darüber, was Sie nutzen
Beginnen Sie damit, die gesamte Software zu überprüfen, auf die Ihr Team angewiesen ist. Markieren Sie alle Programme, deren Support-Ende kurz bevorsteht oder bereits überschritten ist. Tools wie das „Assessment and Planning Toolkit“ von Microsoft oder andere IT-Asset-Management-Plattformen können Ihnen dabei helfen.
Verstehen, was die einzelnen Systeme unterstützen
Finden Sie heraus, welchen konkreten Nutzen die einzelnen Softwareprogramme für Ihr Unternehmen haben. Nutzen Ihre Teams diese Lösungen für das Support-Fall-/Ticket-Management? Für CRM? Für die Zusammenarbeit am Arbeitsplatz? Für die Erstellung von Inhalten? Für SLAs zur Produktivität am Arbeitsplatz? Für die Verwaltung von IT-Geräten? Wenn Sie dies wissen, können Sie Lücken erkennen und intelligentere Ersatzlösungen planen.
Entdecken Sie moderne Alternativen
Halten Sie Ausschau nach modernen Lösungen, die nicht nur die alten ersetzen, sondern auch einen Mehrwert bieten, die Verfügbarkeit verbessern, eine reibungslosere Integration in Ihre bestehende Infrastruktur ermöglichen und einen zuverlässigen Support durch den Anbieter gewährleisten. Pluspunkte gibt es, wenn das Tool über eine klare Roadmap und eine aktive Nutzergemeinschaft verfügt.
Planen Sie einen reibungslosen Übergang
Sie müssen nicht alles auf einmal ersetzen. Ziehen Sie eine schrittweise Umstellung mithilfe von Virtualisierung, Containern oder cloudbasierten Tools in Betracht. Diese Ansätze tragen dazu bei, Betriebsunterbrechungen zu minimieren und den Betrieb während der Umstellung aufrechtzuerhalten.
Schulen Sie Ihr Team und dokumentieren Sie den Prozess
Neue Tools sind nur dann effektiv, wenn die Mitarbeiter wissen, wie man sie einsetzt. Stellen Sie sicher, dass Ihre Einführung praktische Schulungen, eine klare Dokumentation der Anwendungsfälle sowie der Geschäftsfälle und einen soliden Plan für das Veränderungsmanagement umfasst.
Setzen Sie auf Technologie, die immer auf dem neuesten Stand bleibt
Cloud-Plattformen wie Microsoft Azure oder M365 bieten integrierte Sicherheitsfunktionen, automatische Updates und Unterstützung bei der Einhaltung von Vorschriften. Sie sind so konzipiert, dass sie mit Ihrem Unternehmen mitwachsen und Risiken im Laufe der Zeit reduzieren.
Zusätzliche Tipps für IT-Teams
Wenn Sie eine komplexere Konfiguration verwalten, sollten Sie erwägen, Strategien schrittweise einzuführen:
Klare Richtlinien für den Software-Lebenszyklus festlegen
Erstellen Sie einen Plan dafür, wie Software ausgewählt, genutzt, gewartet und schließlich ausgemustert wird. So können Sie veraltete Anwendungen frühzeitig erkennen, bevor sie zu größeren Problemen werden.
Nutzen Sie Tools, die Sie auf dem Laufenden halten
Plattformen wie Microsoft Intune oder Azure Arc bieten Ihnen einen klaren Überblick darüber, welche Anwendungen in Ihrer Umgebung ausgeführt werden, welche auf dem neuesten Stand sind, welche nicht und wo Handlungsbedarf besteht.
Arbeiten Sie mit einem Microsoft-Lizenzierungsexperten zusammen
Die Zusammenarbeit mit einem Partner, der über die richtigen Fähigkeiten und Kompetenzen verfügt – wie beispielsweise TrustedTech –, kann einen großen Unterschied machen. Er hilft Ihnen dabei, Upgrade-Optionen zu identifizieren, unnötige Anschaffungen zu vermeiden und Mengenrabatte zu nutzen, wenn es an der Zeit ist, zu handeln. Der beste Weg, mit Software umzugehen, deren Support ausläuft, besteht darin, dies von vornherein zu vermeiden – durch eine vorausschauende IT-Strategie und die Zusammenarbeit mit einem kompetenten Partner.



